Historische Friedhöfe

Steinerne Zeugen der Endlichkeit

Urzustand 1

In ganz Österreich verstreut finden sich in jedem Bundesland zahlreiche historische Friedhöfe. Es handelt sich hier um Friedhofsanlagen, die nicht mehr aktiv betrieben werden, in denen also keine Beisetzungen mehr stattfinden. Auch Friedhöfe, in denen noch vereinzelt Bestattungen stattfinden, die jedoch überwiegend wegen ihrer reichen Geschichte und langen Tradition besucht werden, stellen wir Ihnen in dieser Rubrik vor. Die Ruhestätten der Toten sind Spiegelbild der Gesellschaft ihrer Zeit, wir lernen von ihnen viel über die Lebenden. Kommen Sie mit auf einen Friedhofsspaziergang der ganz besonderen Art.

 

Der Jüdische Friedhof Wien Währing – Restaurierung eines Kultur- und Gedenkortes

Der Jüdische Friedhof Währing in Wien ist ein einzigartiges Dokument der Wiener Kultur, Kunst, Wirtschaft und Gesellschaft aus der Zeit des Biedermeier. In der Epoche seiner Nutzung (1784-1879) war er die Hauptbegräbnisstätte der Israelitischen Kultusgemeinde. Der Friedhof ist ein Zeugnis einer Zeitepoche, in der Juden und Nichtjuden erfolgreich zusammenlebten, und ein bedeutsames Kulturdenkmal Österreichs, dessen Restaurierung ein umfangreiches Projekt darstellt, das mit viel Engagement mehr als 100 Jahre nach der Friedhofsschließung 2020 begonnen hat. 

Der israelitische Friedhof Währing diente bis 1879 als offizieller Begräbnisplatz aller in der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien verstorbenen Juden – vermutlich bis zu ca. 30.000 Personen insgesamt. Ein Drittel der Grabstellen war ursprünglich mit Grabsteinen versehen. Von den hier bestatteten Personen sind bisher nur jene erforscht und dokumentiert, auf deren Grabstellen sich zum Zeitpunkt der Schließung des Friedhofes noch ein eigener, intakter, identifizierbarer Grabstein befand, insgesamt 8.969 Personen. Nach der Fertigstellung der israelitischen Abteilung am Wiener Zentralfriedhof 1879 wurde der Jüdische Friedhof Währing offiziell geschlossen. Nach der Hauptnutzungsperiode wurden vereinzelte Bestattungen in den Familiengrüften noch bis in die späten 1880er-Jahre durchgeführt. Im Jahr 1898 fand die letzte dokumentierte Belegung eines bereits vorhandenen Familiengrabes statt. 

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